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Die Effektivität osteopathischer Behandlung in der Pädiatrie:

In einem kürzlich publizierten systematischen Review analysieren die Autoren Posadzki, Lee und Ernst die Effektivität Osteopathisch Manueller Behandlung (OMT) im Rahmen der Pädiatrie. Dazu wurden elf Datenbanken auf randomisierte und kontrollierte Studien (RCT) zu diesem Thema durchsucht. Im Rahmen dieser Recherche wurden 399 Artikel analysiert. Davon erfüllten 17 die Voraussetzung um für die Metaanalyse Verwendung zu finden.
Das Ergebnis des systematischen Review konnte auf Grund der mangelhaften methodischen Qualität der analysierten Studien keine Evidenz für die effektive Anwendung der Osteopathie in der Pädiatrie finden. Wenngleich Osteopathen sicherlich andere Erfahrungen gemacht haben, ist es wichtig dieses Paper und seine Kernaussagen zu kennen. Informieren Sie sich über die Ergebnisse des Review [973 KB] .

Oberlandesgericht Düsseldorf nimmt Stellung zur Anwendung der Osteopathie:

Die Entscheidung des OLG Düsseldorf vom 8.9.2015 (Aktenzeichen I-20 U 236/13) sorgt aktuell für Verunsicherung und Unmut bei den Studenten. In dem oben erwähnten Urteil untersagt das Gericht Physiotherapeuten die Werbung für Osteopathie und deren Anwendung wenn diese keine Heilpraktiker-Zulassung haben. Daran ändert nach Auffassung des Gerichts weder die ärztliche Verordnung noch eine sektoriale Heilpraktiker-Zulassung etwas. Aus diesem Grunde möchten wir allen Studenten am College bitten die folgenden Vorgaben zu beachten.
Die Ausbildung als Osteopath(in) muss mit einer klinisch praktischen Prüfung vollständig abgeschlossen sein und eine Zulassung als Heilpraktiker muss vorliegen bevor Sie formal als Osteopath(in) die Osteopathie im Rahmen ihrer Praxis am Patienten anwenden und bewerben. Während Ihrer Ausbildung dürfen Sie sich nicht als Osteopath(in) bezeichnen und die von Ihnen angewandten Behandlungstechniken bilden nicht die Osteopathie per se ab.
Für alle Studenten im vierten und fünften Ausbildungsjahr werden wir kurzfristig Vorbereitungskurse auf die Prüfung als Heilpraktiker(in) organisieren und somit allen Studierenden die notwendige Grundlage für eine formale Ausübung des Berufs als Osteopath(in) ermöglichen solange keine staatliche Regulation den Beruf Osteopath(in) regelt.

Position der Konsensgruppe Osteopathie zum Urteil des OLG Düsseldorf:

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat mit Urteil vom 8. September 2015 (Az. I-20 U 236/13) bestätigt, dass Osteopathie von Physiotherapeuten nur dann ausgeübt werden darf, wenn diese über den (uneingeschränkten) Heilpraktiker verfügen. Dies hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf bereits am 8.12.2008 (Az. 7 K 967/07) festgestellt. Das OLG Düsseldorf hält nun ausdrücklich fest, dass Osteopathie über den Tätigkeits- und Ausbildungsbereich der Physiotherapie hinausgeht und nur durch Personen mit Heilpraktikererlaubnis oder durch Ärzte ausgeübt werden darf. Auch die Tatsache, dass der betroffene Physiotherapeut eine langjährige osteopathische Weiterbildung durchlaufen hatte und auf ärztliche Verordnung bzw. Verordnung eines HP arbeitete, ändere hieran laut OLG Düsseldorf nichts.

Die Konsensgruppe Osteopathie sieht sich durch das Urteil des OLG Düsseldorf in seiner Forderung nach der Berufsanerkennung unterstützt.

Das Urteil stellt zutreffend klar, dass Osteopathie als eigenständige Form der Medizin keine Ergänzung der Physiotherapie darstellt und als Heilkunde im Primärkontakt ausgeübt wird. Das OLG zitiert, dass „eine nicht risikolose Osteopathie sowohl Erfahrung als auch sorgfältige Indikationsstellung erfordert“. Dies ist zutreffend. Die Osteopathie ist auch keine manuelle Therapie, unterscheidet sich von dieser laut OLG „insbesondere in der Zielsetzung“. Auch dies ist richtig.

Eine unsachgemäße Ausübung der Osteopathie kann gesundheitliche Schäden verursachen, so stellt das OLG weiter fest. „Die tatsächliche Behandlung stellt einen Eingriff dar, dessen fachgerechte Ausführung einer entsprechenden Ausbildung bedarf.“

Die nun folgende Schlussfolgerung des Gerichts, dass die Heilpraktikererlaubnis zur Ausübung der osteopathischen Tätigkeit erforderlich ist, ist zwar rechtlich nachvollziehbar, aber nicht im Sinne der Patienten ausreichend. Denn die Erlaubnis nach § 3 Abs. 1 HeilprG setzt keine geregelte Ausbildung voraus, insbesondere keine Qualifikation im Bereich der Osteopathie. Eine solche Qualifikation ist aber auch nach den Ausführungen des OLG erforderlich, um die Patientensicherheit und Qualitätssicherung zu gewährleisten.

Die geforderte umfassende osteopathische Ausbildung kann nur durch ein Berufsgesetz einheitlich geregelt werden. Der Patient, der zum „Osteopathen“ geht, muss wissen dürfen, welche Qualifikation sich hinter diesem Begriff verbirgt.

Die Konsensgruppe fordert daher, dass der Beruf des Osteopathen gesetzlich verankert wird. Nur so wird für den Osteopathen und den Patienten klargestellt, welche Qualifikation mindestens erforderlich ist, um diese Berufsbezeichnung zu tragen.

EUROSON 2015:

Athen 06.-08.2015: In diesem Jahr war das von wirtschaftlichen Krisen erschütterte Griechenland Gastgeber für den jährlichen Kongress der European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB). Bei fast sommerlichen Temperaturen und zeitgleich mit dem Marathon bot die Veranstaltung den Teilnehmern ein vielseitiges und praxisorientiertes Programm von didaktischen Sessions und parallel laufenden Workshops.
Das AVT-College beteiligte sich mit zwei Beiträgen an dem Kongress in Form eines Workshops über die sonographische Untersuchung der Beckenbodenfunktion und mit einer E-Poster-Präsentation über die ultraschallgesteuerte Hydrodissektion peripherer Nerven am wissenschaftlichen Programm des Meetings.

OMED 2015 - The Age of DO starts now

Orlando, 17.-21. Oktober 2015: Die American Osteopathic Assoziation (AOA) wählte wie bereits vor 3 Jahren dieses Jahr wieder Orlando in Florida als Destination für ihren jährlichen Kongress. Im Orange Country Convention Center fand der Kongress eine perfekte Infrastruktur welche es allen Fachgesellschaften ermöglichte ihr wissenschaftliches Programm, die Workshops und die Board-Meetings als parallele Sessions abzuhalten.
Das wissenschaftliche Programm der Fachgesellschaften spiegelte die gesamte Bandbreite der Osteopathie im Gesundheitssystem der USA wieder und entwickelte sich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Empirik und undifferenzierter Körpertherapie. Dabei überwog jedoch die wissenschaftsorientierte Ausrichtung der Beiträge deutlich. Durch eine herausragende Methodik zeichneten sich die Vorträge und Workshops der Fachgesellschaften Prolotherapie und des American College of Osteopathic Family Physicians (acofp) aus. Im nächsten Jahr wird das Meeting des AOA vom 16.-21.09.2016 in Anaheim (CA) stattfinden.

Konsensgruppe Osteopathie ist sich einig:

Frankfurt am 07.10.2015: Die Konsensgruppe der Osteopathie in Deutschland, bestehend aus den Verbänden / Organisationen AFO, BAO, BVO, DVOM, ROD und VOD hat bei ihrem Meeting in Frankfurt erneut die Notwendigkeit der staatlichen Verankerung der Osteopathie in der Gesundheitsversorgung in Deutschland durch die legislative Umsetzung des von der Konsensgruppe einwickelten Berufsbildes für den nicht-ärztlichen Osteopathen im Sinne eines Berufsgesetzes gefordert. Mit dem Bezug auf das aktuelle Urteil des OLG Düsseldorf vom 08.09.2015 waren sich alle in der Konsensgruppe einig, dass eine Verharmlosung des Problems einer bislang noch immer fehlenden staatlichen Kontrolle der Berufsausübung für den Osteopathen weder durch die „Verniedlichung“ der Osteopathie als osteopathische Behandlungstechniken noch durch eine absolut abzulehnende Inkorporation der Osteopathie in die Physiotherapie zu lösen ist. Wenngleich auf Grund der derzeitigen Rechtslage und Rechtsprechung allen nicht-ärztlichen Osteopathen nur der Ausweg der Berufsausübung über eine Erlaubnis als Heilpraktiker als verlässliche und rechtssichere Entscheidung bleibt ist dies eine an sich untragbare Lösung des oben genannten Grundproblems. Aus diesem Grunde unterstreicht die Konsensgruppe Osteopathie Deutschland durch ihren erneuten Schulterschluss die Forderung an den Gesundheitsausschluss der Bundesrepublik Deutschland sich der legislativen Verankerung des Berufs durch ein Berufsgesetz anzunehmen und die Situation für Patienten und Osteopathen zu harmonisieren.

Osteopathie: Zwischen Wahnwitz und Surrealismus

In einem Statement zur beruflichen Ausübung der Osteopathie durch Physiotherapeuten in der Aprilausgabe des Journal Orthopädie und Unfallchirurgie spricht sich der Autor des Beitrags, Herr Psczolla, für die delegationsbasierte Anwendung der Osteopathie in Form der „osteopathischen Therapie“ durch Physiotherapeuten aus. Diese soll seinen Vorstellungen folgend nach Abklärung von Indikation und Kontraindikation durch einen Arzt, der sich selbst durch eine Weiterbildung in „osteopathischen Verfahren“ auszeichnet, verordnet werden. Langfristiges Ziel sei es, so der Autor, die Osteopathie in den Heilmittelkatalog aufzunehmen.Besonders interessant sind auch seine Vorstellungen der Qualitätssicherung: Physiotherapeuten sollen eine Ausbildung von insgesamt 500 Stunden absolvieren. 260 Unterrichtseinheiten (UE) entfallen dabei auf die Ausbildung in manueller Therapie so dass netto unter dem Strich die Ausbildung in „osteopathischer Therapie“ 240 UE umfasst. Diese Konzepte decken sich, so der Hinweis in dem o.g. Beitrag, mit den Vorstellungen der führenden Berufsverbände der Physiotherapeuten IFK und ZVK. Dies verwundert um so mehr, als sich eben diese für einen zukunftsorientierten Primärkontakt der Physiotherapeuten einsetzen. Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass diese Gedankenspiele aus Sicht des DVOM keinerlei realistische Zukunftsperspektive der Osteopathie in der Gesundheitsversorgung in Deutschland darstellen, denn sie berücksichtigen weder die Grundsätze der von der Konsensgruppe Osteopathie Deutschland im Berufsbild verankerten Anforderungen, noch dienen sie der Therapiesicherheit und sind somit auf der Basis medizinethischer Grundsätze gesamtumfänglich abzulehnen. Download des Beitrag als PDF [2.639 KB]

Elektive Kaiserschnittentbindung:

Die Häufigkeit einer Entbindung durch Kaiserschnitt ist in den letzten Jahren weltweit angestiegen. Verantwortlich dafür sind verschiedene Faktoren welche die Entscheidung der Schwangeren für eine sectio caeserea begünstigen obwohl deren Risiko nicht abschließend zu beurteilen ist. So stieg in Deutschland die Durchführung eines Kaiserschnitts auf Wunsch von 15,3% im Jahre 1991 bis 2012 auf 31,7% an. Dabei liegt für weniger als 10% davon eine medizinische Indikation vor.
Vielfach besteht die Annahme, dass eine Kaiserschnittentbindung einer Stuhl- und Harninkontinenz vorbeuge. Für diese Annahme gibt es jedoch hinsichtlich der aktuellen Studienlage widersprüchliche bis gar keine Evidenz. Auch konnte sechs bzw. 12 bis 18 Monate nach einer Entbindung kein Unterschied in der Sexualfunktion zwischen einer vaginalen Entbindung und einer Sectio caeserea festgestellt werden. Lesen Sie mehr über die elektive Kaiserschnittentbindung [510 KB]

Informationen zum IKK Gesundheitskonto-Osteopathie:

Mit Schreiben vom 21.12.2015 hat die IKK die Voraussetzungen für eine Erstattung der Leistung Osteopathie in Hinblick auf das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 08.09.2015 neu definiert.
In ihrem Statement verweist die Krankenkasse expliziert darauf, dass die Osteopathie nur von Physiotherapeuten mit einer abgeschlossenen Osteopathieausbildung erbracht werden darf die auch im Besitz einer uneingeschränkten Heilpraktiker-Erlaubnis sind. Diese Aussage gilt uneingeschränkt auch für die Osteopathen mit einem akademischen Abschluss (B.Sc. und M.Sc.). Lesen Sie das Schreiben der IKK an den DVOM [915 KB] .

Nachruf für Dr. Viola Muriel Frymann:

Am 23. Januar 2016 ist die Kinderosteopathin Dr. Viola Muriel Frymann im Alter von 94 Jahren in San Diego gestorben.
Geboren 1921 in England kam Viola Frymann bereits als Kind, über die Behandlung ihres an Tuberkulose erkrankten Vaters durch einen Osteopathen, in ersten Kontakt mit der Osteopathie.
Früh wurde Ihr Leben überschattet durch den Tod ihres erstgeborenen Sohnes Paul an den Folgen seiner langen und schweren Geburt.
Viola Frymann studierte Medizin in London und ging im Anschluss daran nach Los Angeles ans College of Osteopathic Physicians and Surgeons. Dort hörte sie von William G. Sutherland und wurde schließlich seine Schülerin.
Sie war begeistert vom „osteopathischen Gedanken“ und es wurde für sie zum Anliegen, das Erbe von William G. Sutherland, Dr. A.T.Still und Dr. John Martin Littlejohn zu verbreiten. So reiste sie bis in´s hohe Alter unermüdlich, teilweise mehrere Monate im Jahr, um die Welt, trug ihr Wissen und ihre Erfahrungen in viele Länder und unterstützte Osteopathen in Ausbildung und Arbeit.
Viola Frymann galt als angesehen Forscherin, erhielt zahlreiche Ehrenauszeichnungen von osteopathischen Vereinigungen und war emeritierte Professorin verschiedener Universitäten. Weltweit galt sie vielen Osteopathinnen und Osteopathen als Lehrmeisterin und Mentorin.
Der DVOM e.V. bedankt sich bei Viola Frymann für Ihre herausragende Tätigkeit und trauert gemeinsam mit der weltweiten osteopathischen Gemeinde um diese großartige Frau.

Die Osteopathische Terminologie:

Eine Kommunikation zwischen medizinischen Disziplinen wird möglich wenn die am Informationsaustausch beteiligten Personen eine gemeinsame Terminologie als Grundlage der interdisziplinären Diskussion verwenden. Während diese Voraussetzung der Kommunikation zwischen den meisten medizinischen Fachgebieten überwiegend problemfrei funktioniert ist diese weder in der Binnenkommunikation zwischen Osteopathen noch zwischen der Osteopathie und anderen medizinischen Fachbereichen als „barrierefrei“ einzustufen. Aus diesem Grunde ist es wichtig die von der American Academy of Osteopathy erstellte „Glossary of Osteopathic Terminology“ (2011) für Fragen einer korrekten und einheitlichen Terminologie zu verwenden (Download des Glossary [5.627 KB] ).

Die Osteopathie in der Gynäkologie:

In der Juni-Ausgabe des Journals „Complementary Therapies in Medicine“ veröffentlichte die Autorengruppe Ruffini et al. ein systematisches Review zur Anwendung und den Therapieeffekten der Osteopathischen Manuellen Therapie (OMT) bei Frauen mit gynäkologischen Erkrankungen und schwangerschaftsbedingten Rückenschmerzen (Ruffini, N., D'Allessandro, G. & Cardinali, L., 2016. Osteopathic manipulative treatment in gynecology and obstetrics: A systematic review. Complimentary Therapies in Medicine, Issue 26, pp. 72-78.).

Über die Literaturdatenbanken MEDLINE, Embase und Cochraine konnten 24 klinische Studien mit insgesamt 1840 Patienten in das Review eingeschlossen werden. Diese untersuchten den Einfluss von OMT auf lumbalen Rückenschmerz während der Schwangerschaft, die Schmerzintensität unter der Geburt und den Einsatz von Medikamenten während der Geburt sowie die Wirkung von OMT bei Patienten mit Infertilität, Dysmenorrhoe, (peri)menopausalen Beschwerden und Beckenschmerzsyndromen.
Ein positiver Effekt der Osteopathie konnte lediglich für die Behandlung lumbaler Rückenschmerzen während der Schwangerschaft nachgewiesen werden. Bei allen anderen Indikationen konnte kein positiver Einfluss auf die untersuchten Beschwerden durch eine osteopathische Behandlung belegt werden. Nur in 3 Studien wurde über unerwünschte Nebeneffekte berichtetet. Die Autoren führen das Ergebnis ihrer Übersichtsarbeit unter anderem auf die methodischen Fehler und die geringen Fallzahlen der einzelnen Studien zurück und fordern neue Studien mit einem korrekten Studiendesign und einem besseren Reporting. Der Review ist für die Studierenden am AVT-College im Original in der Literaturdatenbank auf der e-Learning Plattform ILIAS verfügbar.

Die Dysfunktion zervikaler Arterien:

Die strukturelle Veränderung der Arterien welche das Gehirn versorgen, die cervical artery dissection (CeAD), bedarf im Zusammenhang mit der Anwendung von osteopathischen manuellen Techniken (OMT) im Bereich der Hals- und Nackenregion sowie des zervikothoraklen Übergangs einer differenzierten Betrachtung um eventuelle Risiken in der Behandlung zu erkennen und geeignete Maßnahmen und Entscheidungen im Sinne des Clinical Reasoning (CR) zu ermöglichen.

Wenngleich verschiedene Publikationen der letzten Jahrzehnte zeigen konnten, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für das Auftreten zerebraler Perfusionsstörungen nach der Anwendung von OMT erhöht ist, konnte bislang ein kausaler Zusammenhang zwischen der Anwendung von manuellen Mobilisationstechniken der Hals- und Brustwirbelsäule und einer akuten Durchblutungsstörung des Gehirns nicht zweifelsfrei belegt werden. Epidemiologische Daten aus den USA lassen vermuten, dass die jährliche Inzidenz für eine CeAD bei 2,6 von 100.000 Personen liegt. Davon sind zirka 61% spontane Dissektionen, 30% sind die Folge von Traumata und 9% entstehen in Zusammenhang mit der Behandlung der Halswirbelsäule. Es ist davon auszugehen, dass sich Letztere auf der Basis bereits vorgeschädigter Gefäße entwickeln. Dabei verteilen sich die CeAD auf die Arteria carotis interna (ICA) und die Arteria vertebralis (VA) im Verhältnis 2:1. Ein Team australischer, neuseeländischer und englischer Osteopathen hat unlängst ein Review im International Journal of Osteopathic Medicine zu diesem Thema veröffentlicht (Vaughan B, et al., Manual therapy and cervical artery dysfunction: Identification of potential risk factors in clinical encounters, International Journal of Osteopathic Medicine. 2016). Die Autoren kommen zu der Ansicht, dass zirka 45% aller ernsthaften Zwischenfälle hätten vermieden werden können, wenn eine adäquate Anamnese und Untersuchung der Patienten durchgeführt worden wäre. Dieser Aspekt gewinnt unter dem Hintergrund der Tatsache, dass die initialen Symptome einer CeAD mit unspezifischen Nacken- und Kopfschmerzen einhergehen und somit eine muskuloskelettale Dysfunktion vortäuschen können besondere Bedeutung.

Die in der klinischen Untersuchung der Zervikalregion häufig angewandten „Sicherheitstests“ für die VA (De Klejn-Test und Wallenberg-Test) sind in den meisten Fällen selbst bei Patienten mit einer diagnostizierten vertebro-basilären Insuffizienz (VBI) nicht positiv (Thiel H, et al, Effect of various head and neck positions on vertebral artery flow, Clin.Biomech, 1994;9: 105-110) und vermitteln somit im Falle eines negativen Tests eventuell eine falsche Sicherheit.

Somit ist die Bedeutung von red flags für eine möglicher Weise bestehende CeAD im klinischen Alltag von überragender Bedeutung. Im Falle von Symptomen welche durch eine CeAD ausgelöst werden können sollte eine Duplex- bzw. Doppler-Untersuchung der gehirnversorgenden Arterien, wie sie im C-Modul der Sonographie-Kurse am AVT-College gelehrt wird, durchgeführt werden. Wenngleich auch diese nicht in jedem Falle eine VA-Dissektion zu diagnostizieren vermag (Sturzenegger M, et al, Ultrasound findings in Spontaneous Extracranial Vertebral Artery Dissection, Stroke, 1993;24: 1910-20) ist eine VBI durch die Analyse der Wellenform des Dopplers und die Bestimmung der Blutflussgeschwindigkeit erkennbar und kann somit einen wesentlichen Beitrag zur Früherkennung bestehender Risiken bieten. Die Publikationen stehen den DVOM-Mitgliedern über ILIAS die e-Learning-Plattform des AVT-College zur Verfügung.

Incidence of Somatic Dysfunction in Newborns:

Die Autoren Waddington E., Snider K., Lockwood M. et al haben in der November Ausgabe des Journal of the American Osteopathic Association (Vol. 115, 654-665) ihre Untersuchungsergebnisse an 100 gesunden Neugeborenen im Alter von 6 bis 72 Stunden publiziert (der Originalartikel ist hier verfügbar). Die Autoren entwickelten dazu einen Score (0-34) mit dem sie die Anzahl der identifizierten somatischen Dysfunktionen definierten. Untersucht wurden der Schädel, die Hals- und Lendenwirbelsäule sowie die Sacralregion. Bei 99% der Neugeborenen fanden die Autoren eine Dysfunktion der Synchondrosis sphenobasilaris, bei 95% eine condyläre Kompression und bei 85% eine Restriktion des Os temporale. Die Typisierung der Dysfunktionen in Abhängigkeit vom Geburtsmodus war nicht ersichtlich jedoch konnten die Autoren eine positiv ansteigende Korrelation (p=0,04) zwischen der Dauer der Geburt und der Häufung von somatischen Dysfunktionen finden.

Nach der Studie von Pizzolorusso und Mitarbeitern (Osteopathic Evaluation of Somatic Dysfunction and Craniosacral Strain Pattern among Pretrem and Term Newborns [309 KB] ) aus dem Jahr 2013 ist dies die zweite Publikation welche die Häufigkeit von somatischen Dysfunktionen bei asymptomatischen Neugeborenen (n=155) untersucht hat. Wenngleich die beiden Studien eine durchaus differente Verteilung der dokumentierten Dysfunktionen belegen, so zeigen sie doch eine absolute Häufung von multiplen somatischen Dysfunktionen bei Neugeborenen an.

Neben der Tatsache, dass beide Studien erhebliche methodische Schwächen aufweisen (es existiert keine Intra- und Interrater Reliabilität und alle Befunde sind rein subjektive Wahrnehmungen der Untersucher) wurden die Untersuchungen an asymptomatischen Neugeborenen durchgeführt. Mit der Häufung von Dysfunktionen (99% SBS-Strains) ohne jegliches follow-up der Kinder wird deren Bedeutsamkeit im klinischen Alltag sehr fraglich. Aus diesem Grunde sollten die Studienergebnisse mit größter Zurückhaltung interpretiert werden und dürfen keinesfalls Grundlage einer argumentativen Diskussion für ein osteopathisches Neugeboren-Screening sein noch sollten sie zur Verunsicherung der Eltern führen.