London 15.-16.06.2018:

In Kooperation mit dem Deutschen Verband für Osteopathische Medizin e.V. (DVOM) hat das AVT-College für Osteopathische Medizin für die Verbandsmitglieder und für die Studenten des College eine Exkursion nach England und ein Seminar in London organisiert.

Die 10 Teilnehmer der Exkursion erlebten London, in den Tagen vor Beginn des Seminars, als eine weltoffene und liberale Metropole die an Attraktivität und Exklusivität anderen Weltmetropolen wie New York City oder Paris in nichts nachsteht. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen – was für London nicht unbedingt zu erwarten ist – konnten die Teilnehmer die Stadt und ihre unzähligen historischen, kulturellen und kulinarischen Angebote genießen.

Barrie Savory, der seit mehr als 35 Jahren in London als Osteopath niedergelassen ist, empfing die exklusive Gruppe der Teilnehmer dann am 5. und am 6. Juni in seinen ehrwürdigen Praxisräumen in der Harley Street in Marylebone (London) zu dem zweitägigen Seminar. In einer, fast schon als privat zu beschreibenden Atmosphäre, unterrichtete Mr. Savory die deutschen Kollegen in seiner Form einer sehr praxisorientierten Anwendung der Osteopathie. Dabei demonstrierte der Seminarleiter wie vielschichtig und umfassend die Anwendung der Osteopathie sein kann. Seine zahlreichen Erinnerungen an die nun schon mehr als 35 vergangenen Jahre seiner praktischen Tätigkeit, gepaart mit den Erzählungen von Glanz und Glamour der britischen Monarchie, die er als Osteopath persönlich betreut, rundeten die thematischen Inhalte des Seminar ab und generierten zwei überaus kurzweilige Seminartage. Am Ende waren sich alle einig: Eine gelungene Studienreise!

Wer Mr. Savory noch nicht live erlebt hat, kann ihn im Sommer 2019 am AVT-College in Nagold erleben. Den Termin des Seminars geben wir in Kürze bekannt.

Neuerscheinung:

Shock Waves in Sports Medicine

Prof. Dr. Heinz Lohrer und Dr. Tanja Nauck haben in dem neu erschienenen Fachbuch die entscheidenden klinischen Features zur Anwendung der extrakorporalen Stoßwellen-Therapie in der Sportmedizin zusammengetragen.

Prof. Matthias Beck beschreibt in seinem Kapitel des Buchs die wichtigsten Aspekte einer sonographischen Untersuchung von Muskeln und Sehnen und erläutert deren veränderte Sonomorpholgie im Falle von Erkrankungen.

Mit diesem Konzept kann eine zielgerichtete Therapie verletzter Sportler geplant und durchgeführt werden.

Für alle Therapeuten, welche die ESWT im Rahmen der Sportmedizin anwenden, ist dieses neue Fachbuch eine Bereicherung. Das Buch kann direkt beim Level 10-Verlag bestellt werden.

Chirurgie meets Osteopathie:

Im Rahmen des diesjährigen Basiskurses der Deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie in der Josefsklinik in Offenburg hatten die Teilnehmer des Moduls, wie schon in den Jahren zuvor, die Möglichkeit sich über die Osteopathie als optionale Behandlungsmethode bei Rückenschmerz zu informieren. Die Anwesenden zeigten sich sehr interessiert bezüglich der methodischen Konzepte und ihrer praktischen Umsetzung in der Patientenversorgung. Wenngleich sicherlich nicht alle Zuhörer am Ende der Veranstaltung gänzlich von den Strategien der Osteopathie überzeugt waren, so konnte Prof. Beck den anwesenden Wirbelsäulenchirurgen doch zeigen, dass die Anwendung der Osteopathie auf nachvollziehbaren Konzepten beruht und nichts mit Handauflegen zu tun hat. Es zeigt sich dabei, dass die Akzeptanz für die Osteopathie nur im fachlich und wissenschaftlich fundierten Diskurs erzielen werden kann.

Die OIA ist offizieller Partner der WHO:

Im vergangenen Monat wurde der Osteopathic International Alliance (OIA) von der WHO der Staus eines "official partner" zugesprochen. Damit ist die OIA an einem seit Jahren verfolgten Ziel abgekommen. Durch diesen offiziellen Status gewinnen alle Bemühungen und Aktivitäten der OIA an Gewicht. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies nun auch auf nationaler Ebene wiederspiegelt, dort wo es um die Bedeutung der Osteopathie und ihrer Anerkennung in den Gesundheitssystemen der Mitgliedsländer, wie zum Beispiel Deutschland, geht. Wir sind mit diesem Statuswandel diesen Zielen sicherlich näher gekommen.

Die Osteopathische Terminologie:

Eine Kommunikation zwischen medizinischen Disziplinen wird möglich wenn die am Informationsaustausch beteiligten Personen eine gemeinsame Terminologie als Grundlage der interdisziplinären Diskussion verwenden. Während diese Voraussetzung der Kommunikation zwischen den meisten medizinischen Fachgebieten überwiegend problemfrei funktioniert ist diese weder in der Binnenkommunikation zwischen Osteopathen noch zwischen der Osteopathie und anderen medizinischen Fachbereichen als "barrierefrei" einzustufen. Aus diesem Grunde ist es wichtig die von der American Academy of Osteopathy erstellte "Glossary of Osteopathic Terminology" (2011) für Fragen einer korrekten und einheitlichen Terminologie zu verwenden (Download des Glossary).

Die Osteopathie in der Gynäkologie:

In der Juni-Ausgabe des Journals "Complementary Therapies in Medicine" veröffentlichte die Autorengruppe Ruffini et al. ein systematisches Review zur Anwendung und den Therapieeffekten der Osteopathischen Manuellen Therapie (OMT) bei Frauen mit gynäkologischen Erkrankungen und schwangerschaftsbedingten Rückenschmerzen (Ruffini, N., D'Allessandro, G. & Cardinali, L., 2016. Osteopathic manipulative treatment in gynecology and obstetrics: A systematic review. Complimentary Therapies in Medicine, Issue 26, pp. 72-78.).
Über die Literaturdatenbanken MEDLINE, Embase und Cochraine konnten 24 klinische Studien mit insgesamt 1840 Patienten in das Review eingeschlossen werden. Diese untersuchten den Einfluss von OMT auf lumbalen Rückenschmerz während der Schwangerschaft, die Schmerzintensität unter der Geburt und den Einsatz von Medikamenten während der Geburt sowie die Wirkung von OMT bei Patienten mit Infertilität, Dysmenorrhoe, (peri)menopausalen Beschwerden und Beckenschmerzsyndromen.

Ein positiver Effekt der Osteopathie konnte lediglich für die Behandlung lumbaler Rückenschmerzen während der Schwangerschaft nachgewiesen werden. Bei allen anderen Indikationen konnte kein positiver Einfluss auf die untersuchten Beschwerden durch eine osteopathische Behandlung belegt werden. Nur in 3 Studien wurde über unerwünschte Nebeneffekte berichtetet. Die Autoren führen das Ergebnis ihrer Übersichtsarbeit unter anderem auf die methodischen Fehler und die geringen Fallzahlen der einzelnen Studien zurück und fordern neue Studien mit einem korrekten Studiendesign und einem besseren Reporting. Der Review ist für die Studierenden am AVT-College im Original in der Literaturdatenbank auf der e-Learning Plattform ILIAS verfügbar.

Die Dysfunktion zervikaler Arterien:

Die strukturelle Veränderung der Arterien welche das Gehirn versorgen, die cervical artery dissection (CeAD), bedarf im Zusammenhang mit der Anwendung von osteopathischen manuellen Techniken (OMT) im Bereich der Hals- und Nackenregion sowie des zervikothoraklen Übergangs einer differenzierten Betrachtung um eventuelle Risiken in der Behandlung zu erkennen und geeignete Maßnahmen und Entscheidungen im Sinne des Clinical Reasoning (CR) zu ermöglichen.

Wenngleich verschiedene Publikationen der letzten Jahrzehnte zeigen konnten, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für das Auftreten zerebraler Perfusionsstörungen nach der Anwendung von OMT erhöht ist, konnte bislang ein kausaler Zusammenhang zwischen der Anwendung von manuellen Mobilisationstechniken der Hals- und Brustwirbelsäule und einer akuten Durchblutungsstörung des Gehirns nicht zweifelsfrei belegt werden. Epidemiologische Daten aus den USA lassen vermuten, dass die jährliche Inzidenz für eine CeAD bei 2,6 von 100.000 Personen liegt. Davon sind zirka 61% spontane Dissektionen, 30% sind die Folge von Traumata und 9% entstehen in Zusammenhang mit der Behandlung der Halswirbelsäule. Es ist davon auszugehen, dass sich Letztere auf der Basis bereits vorgeschädigter Gefäße entwickeln. Dabei verteilen sich die CeAD auf die Arteria carotis interna (ICA) und die Arteria vertebralis (VA) im Verhältnis 2:1. Ein Team australischer, neuseeländischer und englischer Osteopathen hat unlängst ein Review im International Journal of Osteopathic Medicine zu diesem Thema veröffentlicht (Vaughan B, et al., Manual therapy and cervical artery dysfunction: Identification of potential risk factors in clinical encounters, International Journal of Osteopathic Medicine. 2016). Die Autoren kommen zu der Ansicht, dass zirka 45% aller ernsthaften Zwischenfälle hätten vermieden werden können, wenn eine adäquate Anamnese und Untersuchung der Patienten durchgeführt worden wäre. Dieser Aspekt gewinnt unter dem Hintergrund der Tatsache, dass die initialen Symptome einer CeAD mit unspezifischen Nacken- und Kopfschmerzen einhergehen und somit eine muskuloskelettale Dysfunktion vortäuschen können besondere Bedeutung.

Die in der klinischen Untersuchung der Zervikalregion häufig angewandten "Sicherheitstests" für die VA (De Klejn-Test und Wallenberg-Test) sind in den meisten Fällen selbst bei Patienten mit einer diagnostizierten vertebro-basilären Insuffizienz (VBI) nicht positiv (Thiel H, et al, Effect of various head and neck positions on vertebral artery flow, Clin.Biomech, 1994;9: 105-110) und vermitteln somit im Falle eines negativen Tests eventuell eine falsche Sicherheit.

Somit ist die Bedeutung von red flags für eine möglicher Weise bestehende CeAD im klinischen Alltag von überragender Bedeutung. Im Falle von Symptomen welche durch eine CeAD ausgelöst werden können sollte eine Duplex- bzw. Doppler-Untersuchung der gehirnversorgenden Arterien, wie sie im C-Modul der Sonographie-Kurse am AVT-College gelehrt wird, durchgeführt werden. Wenngleich auch diese nicht in jedem Falle eine VA-Dissektion zu diagnostizieren vermag (Sturzenegger M, et al, Ultrasound findings in Spontaneous Extracranial Vertebral Artery Dissection, Stroke, 1993;24: 1910-20) ist eine VBI durch die Analyse der Wellenform des Dopplers und die Bestimmung der Blutflussgeschwindigkeit erkennbar und kann somit einen wesentlichen Beitrag zur Früherkennung bestehender Risiken bieten. Die Publikationen stehen den Studierenden des AVT-College über ILIAS zur Verfügung.

Muskel-Trigger-Punkte: Eine Fiktion oder Realität?

Im Rahmen der manuellen osteopathischen Behandlung von Funktionsstörungen des Stütz- und Bewegungsapparats wird Muskel-Trigger-Punkten (TP) eine wesentliche Rolle in der Entstehung und Übertragung von Schmerz zugeordnet. Seit der Erstbeschreibung dieser Schmerzmaximalpunkte durch Janet Travell zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurden die verschiedensten manuellen (Positional Release, Spray and Stretch), apparativen (Stoßwellentherapie) und invasiven (Dry Needling und Injektion) Therapiekonzepte zur Behandlung der TP entwickelt und mit nicht unerheblichem klinischen Erfolg auch in der Behandlung der Patienten eingesetzt.
Parallel dazu wurden im Laufe der Jahre unterschiedliche Erklärungsmodelle hinsichtlich der Frage "Was sind Muskel-Trigger-Punkte und wie wirkt deren Behandlung?" entwickelt. Keine dieser unterschiedlichen Theorien konnte jedoch bis zum heutigen Tage die Ätiologie und Pathogenese der TP wissenschaftlich wirklich erklären. Weder bildgebende Verfahren (MR und Sonographie) noch biochemische Analysen und Biopsien waren in der Lage diese Fragen nachhaltig und verlässlich zu beantworten. Wenngleich es in verschiedenen Studien der letzten Jahre gelungen ist mittels der Strain Elastographie (einer neuen Methode der Ultraschalldiagnostik) die bislang nur durch Tasten erfassbaren TP in der Muskulatur sichtbar und deren Veränderung unter der Behandlung zu belegen, bleibt ihre Pathoätiologie weiterhin unklar. Wer sich nun auf den Standpunkt stellt "wer heilt hat Recht" und die genauen Ursachen für die Entstehung der TP und ihre Pathoätiologie sei in diesem Falle nicht von Belang, der muss sich fragen lassen wie man die Heilung eines TP durch die unterschiedlichen Behandlungsfahren denn definiert, wenn man nicht einmal mit Sicherheit weiß was ein TP ist denn eines ist sicher man kann "Heilung" nicht an der Schmerzreduktion festmachen. In der Fülle der vorhandenen Literatur zu diesem Thema sind zwei Arbeiten aus den Jahren 2014 und 2015 für jeden Osteopathen der sich mit der Behandlung von Muskel-Trigger-Punkten befasst ein absolutes Muss. In seinem kritischen Review erläutert John L. Quintner (2014) die Schwachstellen im theoretischen und therapeutischen Konzept der Muskel-Trigger-Punkt-Behandlung. Als Antwort auf diese Arbeit verteidigen Jan Dommerholt und Robert D. Gerwin die bestehenden Konzepte ohne jedoch die Bedenken von Quintner wirklich ausräumen zu können. Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil!

A critical evaluation of the trigger point phenomenon; John L. Quintner, (2014) Download
A critical evaluation of Quintner et al: Missing the point; Jan Dommerholt, Robert D. Gerwin, (2015) Download

Konzepte zur Neuordnung der Heilberufe:

Die aktuelle Rechtslage macht es derzeit für die Absolventen einer 5-jährigen Osteopathie-Ausbildung (selbst wenn diese mit einem akademischen Grad abgeschlossen wurde) unumgänglich eine staatliche Heilpraktikerprüfung abzulegen, wenn sie sich mit der Anwendung der Osteopathie nicht der rechtswidrigen Ausübung der Heilkunde schuldig machen wollen. Gleichzeitig gibt es jedoch keinerlei rechtliche Möglichkeit sich gegenüber jenen Heilpraktikern abzugrenzen, welche die Osteopathie nach einem Wochenendseminar oder einer abgebrochenen Ausbildung in ihr Portfolio aufgenommen haben. Dieser Zustand ist für alle, die sich um einen qualitativ hohen Level der Osteopathie in der Versorgung der Patienten bemühen, einfach unerträglich. Auch die Integration der Osteopathie in die Physiotherapie ist ein absurdes Missverständnis und kann keinesfalls die angestrebte und dringend notwendige Neuordnung der Fach-Heilberufe bewirken.
MIt dem "Münsteraner Memorandum" hat eine Expertengruppe um Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert nun ihre Vorschläge für eine Neuordnung des Heilpraktikerwesens in Deutschland in der Kombination mit einer Weiterqualifizierung der Fach-Heilberufe zum Fach-Heilprakiker vorgestellt. Dabei sind die bestehenden Gesundheitsfachberufe die unabdingbare Grundlage für die Qualifikation zum Fach-Heilpraktiker. Somit könnte der problematische Globalzuschnitt und das überwiegend niedrige Kompetenzniveau des bisherigen Heilpraktikers in der Zukunft vermieden und die Osteopathie zu einem eigenständigen Fachberuf geführt werden. Lesen sie den Beitrag von E. Maibach-Nagel im Deutschen Ärzteblatt und das Münsteraner Memorandum als PDF-Download.
Die aktuelle Rechtslage macht es derzeit für die Absolventen einer 5-jährigen Osteopathie-Ausbildung (selbst wenn diese mit einem akademischen Grad abgeschlossen wurde) unumgänglich eine staatliche Heilpraktikerprüfung abzulegen, wenn sie sich mit der Anwendung der Osteopathie nicht der rechtswidrigen Ausübung der Heilkunde schuldig machen wollen. Gleichzeitig gibt es jedoch keinerlei rechtliche Möglichkeit sich gegenüber jenen Heilpraktikern abzugrenzen, welche die Osteopathie nach einem Wochenendseminar oder einer abgebrochenen Ausbildung in ihr Portfolio aufgenommen haben. Dieser Zustand ist für alle, die sich um einen qualitativ hohen Level der Osteopathie in der Versorgung der Patienten bemühen, einfach unerträglich. Auch die Integration der Osteopathie in die Physiotherapie ist ein absurdes Missverständnis und kann keinesfalls die angestrebte und dringend notwendige Neuordnung der Fach-Heilberufe bewirken.
MIt dem "Münsteraner Memorandum" hat eine Expertengruppe um Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert nun ihre Vorschläge für eine Neuordnung des Heilpraktikerwesens in Deutschland in der Kombination mit einer Weiterqualifizierung der Fach-Heilberufe zum Fach-Heilprakiker vorgestellt. Dabei sind die bestehenden Gesundheitsfachberufe die unabdingbare Grundlage für die Qualifikation zum Fach-Heilpraktiker. Somit könnte der problematische Globalzuschnitt und das überwiegend niedrige Kompetenzniveau des bisherigen Heilpraktikers in der Zukunft vermieden und die Osteopathie zu einem eigenständigen Fachberuf geführt werden. Lesen sie den Beitrag von E. Maibach-Nagel im Deutschen Ärzteblatt und das Münsteraner Memorandum als PDF-Download.